Kapitel 1



Was soll man machen, wenn man weiß, dass alle gegen einen sind ? Man verschließt sich, verlässt die Realität und lebt in einer anderen Welt, zu der man nur selbst Zutritt hat. Man kommt sich verloren vor in der großen Menschenmenge. Das ist der Grund, warum man sich zu Hause einschließt und sich keinen Schritt vor die Tür mehr traut. Man verliert den Anschluss an das Leben und vegetiert nur so vor sich hin. Man vertraut keiner Menschenseele, fühlt sich im Stich gelassen und einsam. 
Oft werde ich gefragt wie ich mich fühle. 
Nun, ich denke, das trifft es auf den Punkt.




Ich heiße Dena und bin 18 Jahre alt. Ich lebe zusammen mit meinen Eltern in einem kleinen Dorf, welches von einem Wald begrenzt ist. Geschwister habe ich keine, dafür aber eine Katze namens Filou. Sie ist pechschwarz und passt dadurch sehr gut zu mir. Das Schwarze wird meist gemieden. Vielleicht ist das mit einer der Gründe, warum ich mich so sehr von anderen unterscheide.Man sagt Schwarz sei keine Farbe, aber ich denke dem ist nicht so. Immerhin ist Schwarz genauso oft in unserem Leben vertreten wie jede andere Farbe, wenn nicht sogar noch häufiger. Es ist die einzige Farbe, die ich im Moment ertragen kann. Mein Zimmer ist komplett schwarz, und wenn sich doch einmal ein anderer Farbton in mein Zimmer verirrt, dann ist das höchstens ein dunkles grau oder ein sehr dunkles blau. Das ist dann aber so dunkel, dass es schon wieder fast schwarz ist.Sieht man in meinen Kleiderschrank, so kommt man wohl ins Staunen. Dunkel über dunkel. Kein einziger bunter Farbklecks ist zu erkennen, sehr zum Leidwesen meiner Mutter.
Einzig und allein meine Zimmerwand ist weiß, denn meine Eltern erlauben mir nicht sie zu streichen.
Man könnte meinen mein Leben sei ein einziger Schwarz-Weiß-Film.
Ich kann diese hellen Farben wie Gelb und Orange nicht ausstehen. Das sind fröhliche Farben, gemacht für ein glückliches Leben. Doch meines ist alles andere als glücklich. Diese Farben verfolgen mich in meinen Träumen. In meinen Alpträumen, um genau zu sein.
Durch sie wurde mein Leben zu dem, was es jetzt ist.
Mit einem leisen Gähnen schlage ich mein Buch zu. Was auch immer Hardin wieder angestellt hat muss bis morgen warten. Mit müden Augen suche ich mein Zimmer nach meinem Handy ab. Ich sollte mir langsam wirklich mal eine Uhr an die Wand hängen. Als ich es nicht entdecke, lasse ich mich schwerfällig auf das Fußende meines großen Bettes fallen. Das schwache Licht, welches das Zimmer erleuchtet, mich aber gleichzeitig auch so einschläfert, kommt von der Lichterkette, die an der Wand am Kopfende meines Bettes befestigt ist. Die Kette bildet einen perfekten Rahmen um meine Fotowand. Eine Fotowand, die ich schon längst hätte entfernen sollen, rufe ich mir in Erinnerung. Mit halb geschlossenen Augen betrachte ich die Bilder. Natürlich sind es alles nur schwarz-weiß Drucke und ich finde, das verleiht den Fotos auch einen gewissen eleganten Touch.
Ich bin kein Mensch, der es liebt fotografiert zu werden. Lieber stehe ich selbst hinter der Kamera und drücke auf den Auslöser.
Fotografie hat mich schon immer interessiert - und vor allem fasziniert. Die Fähigkeit Momente, Augenblicke auf einem Bild festzuhalten, damit die Erinnerung an sie für immer bleibt. Ich habe es immer als einen positiven Aspekt angesehen Erinnerungen auf diese Weise zu schaffen. Doch mittlerweile ist mir klar geworden, dass sich hinter Fotos auch sehr schlechte Erinnerungen verbergen können. Momente, die man am Liebsten aus seinem Gedächtnis streichen, sie für immer vergessen möchte. Doch so ein kleines Blatt Papier kann einem diesen Plan zunichte machen.
Die Fotos an meiner Wand sind das perfekte Beispiel dafür.
Vergessen, ich möchte sie einfach nur vergessen. Diese Momente voller Glück und Zufriedenheit. Mit Personen, die ich mehr liebte als mich selbst. Bilder mit einem lachendem Jungen mit einer Unmenge an Luftballons in der Hand. Einem Jungen in einem gut geschnittenem Smoking und einer viel zu großen Sonnenbrille auf der Nase. Einem Jungen, der durch die Kamera hindurch in mich hineinzuschauen scheint. Einem Jungen, welcher mir so unglaublich ähnlich sieht. 
Daneben Bilder von einem Mädchen mit Sommersprossen rund um die Nase. Auf einem anderen Foto trägt sie einen Strohhut auf dem Kopf und eine Zeitschrift in der Hand. Lächelnd sieht sie in die Kamera. Auf dem Bild daneben stehe ich mit ihr zusammen vor einer Mauer. Es war einer der seltenen Momente gewesen, in dem ich mich fotografieren lassen habe. Arm in Arm strahlten wir beide dem Fotografen entgegen, der genau in dem Augenblick abgedrückt hatte, als eine Frau vorbei ging. Sie hatte eine schwarze Handtasche über der Schulter hängen, auf der ein silbernes Unendlichkeitszeichen gestickt war. Dieses Zeichen, welches die Kids von heutzutage immer und überall hin kritzeln.
Wir hielten es für keinen Zufall, dass das Zeichen mit auf das Foto gerutscht ist. Für uns war es das Zeichen dafür, dass unsere Freundschaft für immer halten würde. Heute, knapp drei Monate später, ist sie nicht mehr meine beste Freundin, meine zweite Hälfte, sondern meine schlimmste Feindin. Sie setzt alles daran mir das Leben zur Hölle zu machen. Und, bei Gott, sie ist erfolgreich.
Ich schließe meine Augen. Diese Bilder an der Wand sind die reinste Folter. Das mein Leben einmal so sorglos und glücklich war, kann ich mir jetzt gar nicht mehr vorstellen. Mein heutiges falsches, deprimierendes und einsames Leben scheint meinem alten höhnisch hinterher zu lachen, als wäre es ein schlechter Witz. Wäre es nicht mein eigens Leben, ich würde denken es wären zwei unterschiedliche von zwei völlig unterschiedlichen Personen.
Die Eine immer fröhlich, freundlich, nett. Jeder mag sie, möchte zu ihrem Freundeskreis dazugehören. Sie braucht sich nie anzustrengen; alles, was sie sich vornimmt, gelingt ihr auf Anhieb. Sie ist immer unter Menschen, da sie dieses Zusammengehörigkeitsgefühl so liebt. Und generell möchte sie jeder um sich haben, sodass sie gar nicht die Chance bekommt alleine zu sein.
Die Andere dagegen nur noch ein Schatten ihrer selbst. Immer traurig, deprimiert, müde. Müde vom Leben. Müde es Tag für Tag auf's Neue zu versuchen, doch ihr Leben wird sich nicht mehr ändern. Es gibt niemanden, den sie hat. Alle gehen ihr aus dem Weg, ja, weichen ihr regelrecht aus und meiden ihren Blick, wenn sie in der Nähe ist. Niemand möchte mit ihr etwas zu tun haben, obwohl sie noch nicht einmal genau wissen, was mit diesem Mädchen passiert ist. Klar, Gerüchte verbreiten sich schnell, und mittlerweile kennt sie jeder, jedoch kennt niemand die Wahrheit. Die ganze Wahrheit.
Niemand weiß wie sehr ich leide. Niemanden kümmert es wie es mir geht oder macht sich Sorgen um mich. Dabei hätte ich so gerne jemanden, dem ich meinen Schmerz, meine Sorgen anvertrauen könnte.
Ich habe Angst.
Nicht vor einer Person, einem Tier oder sonst was.
Ich habe einfach nur Angst.
Angst vor dem Leben.
Angst, nicht das zu schaffen, was ich mir vornehme. Am liebsten würde ich mich in meinem Zimmer einschließen, unter die Bettdecke kriechen und nie wieder aus dem Bett steigen und mich der Realität stellen. Dem Leben, welchem ich so gerne entfliehen möchte.
Was würde ich dafür geben einfach in eines meiner Bücher abzutauchen. Hinein in die Geschichte zu gelangen, aber nicht wieder hinaus! In den Büchern gibt es meist ein Happy End, oder zumindest findet der Protagonist für jedes Problem eine Lösung, egal wie groß oder klein dieses sein mag.
"Dass uns eine Sache fehlt, sollte uns nicht davon abhalten, alles andere zu genießen." Jane Austen hatte für viele Situationen im Leben den richtigen Spruch parat.
Aber was ist, wenn diese eine Sache der Lebenswille ist ? Die Freude am Leben ? Dann gibt es nichts, was man noch genießen kann. Jedenfalls nicht jetzt, nicht hier. Nicht in diesem Moment.
Wie groß die Unterschiede der Personen oder wie schwer das Leben dieser auch gewesen sein mag, Jane hatte in ihren Büchern immer einen Ausweg gefunden. 
Elizabeth hatte ihren Mr. Darcy, Emma ihren Mr. Knightley. Aber wo ist mein Mr. Darcy ? Warum habe ich nicht das Glück jemanden zu haben, der um mich kämpft ? Mich aufbaut, an mir Kritik übt und mich aber auch gleichzeitig auf den richtigen Weg führt. Hat nicht jeder so eine Person in seinem Leben verdient ? Braucht nicht sogar jeder solch eine Person ? Nicht etwa um seine Probleme zu lösen, sondern vielmehr um mit sich selbst im Reinen zu sein. Sich sicher sein zu können, dass man nicht alleine ist. Jeder braucht diese Sicherheit im Leben, diese wichtige Konstante. Doch offenbar ist sie nicht jedem vergönnt.
Als ich das nächste Mal meine Augen aufschlage, strahlt die Sonne bereits in mein Zimmer. Ich muss wohl während meiner Grübeleien eingeschlafen sein. Müde drehe ich mich auf die Seite. Ich möchte nicht aufstehen, einfach liegen bleiben, für immer.
Alleine sein.
Doch daraus wird nichts werden. Denn wenn ich jetzt nicht aufstehe, wird meine Mom in mein Zimmer kommen, um nachzuschauen, ob ich schon wach bin. Ich hasse es, wenn jemand mein Zimmer betritt. Ich könnte jedes Mal ausflippen, wenn man auch nur einen Blick hinein wirft. Das ist schon immer so gewesen. Als ich noch klein war, habe ich immer angefangen wie eine Verrückte zu schreien, wenn meine Mom zu mir kam. Ich habe es nie gemocht, wenn jemand meine Sachen anfasst. Ich mag es auch jetzt noch nicht. Das war auch einer der Gründe, warum ich nie wirklich mit anderen Kindern gespielt hatte. Ich weiß noch, dass meine Mom die Sorge gehabt hatte, dass ich dadurch den Anschluss verpassen würde. Keine Freunde habe und generell nirgendwo dazugehören würde. Dass ich mich zu sehr abschotte. Denn auch mit der Zeit blieb mein Verhalten unverändert. Meine Mom hatte mich zu sämtlichen Psychologen geschleppt, in der Hoffnung sie könnten mich in Ordnung bringen. An mir musste irgendetwas nicht stimmen. Es musste einen Grund für meine Eigenart geben. Meine Mom hatte es wahnsinnig gemacht, dass ich so anders war, mich nicht so verhielt wie sie es wollte und wie es sich für ein Kind nun mal gehörte. Sie hatte immer eine perfekte kleine Familie gewollt, die zu diesem perfekten kleinen Häuschen, dem dahinterliegendem perfekten Garten und der, natürlich, perfekten Nachbarschaft passte. Doch dieses vermeintlich arrogante, hochnäsige, selbstsüchtige und eingebildete Mädchen, welches sich nur mit ausgesuchten Personen unterhielt und umgab, gehörte absolut nicht in ihr Bild einer perfekten Familie.
Es war immer schwierig gewesen es meiner Mom recht zu machen, und das ist es immer noch. 
Ich hatte es versucht. Ich hatte mir Freunde gesucht, viele. Ich bin eine Zeit lang mit jedem gut klar gekommen, egal ob es "ausgesuchte" Personen waren oder nicht. Doch das hatte sich wieder geändert. Ich verstehe mich nun mal nicht mit jedem, zur Zeit sogar mit gar keinem.
Inzwischen bin ich aufgestanden und schaue aus meinem Fenster.
Ich bin niemand, der es lange mit ein und denselben Personen aushält, zumindest bin ich es jetzt nicht mehr. Es ist nicht so, dass ich nicht unter Menschen sein kann. Es ist eher so, dass ich, egal bei welchen Personen ich bin, nicht dazu gehöre. Ich bin bei ihnen, aber in gewisser Weise auch nicht. Genau so, wie bei dem Vogelschwarm, der gerade über das Dach des Hauses fliegt.
Alle Vögel aufgereiht, in perfekter Formation. Alle fliegen sie an einen besseren Ort, zusammen. Und doch gibt es immer einen, der das Schlusslicht bildet. Einen, der den anderen nur nachfliegt, um die Richtung zu behalten. Einen Nachzügler. Einen, der mit den anderen, und doch alleine ist. Auch ein Mitläufer, wenn man es so sehen will. Er versucht dabei zu bleiben. Versucht auf sich aufmerksam zu machen. Versucht wenigstens ein winziges Mitglied der großen Gemeinschaft zu sein.
Auch ich wäre gern ein Mitglied. Auch ich hätte gerne wahre Freunde. Aber ich kann mich nicht dazu überwinden mich jemandem zu öffnen. Ich würde so gern, doch ich kann es nicht. Es ist wie eine Blockade in meinem Kopf.
Als ich gerade einen Fuß in die Schule setze, klingelt es zur ersten Stunde. Ich komme also schon wieder zu spät. Auf dem Weg zu meinem Spind begegnet mir keine einzige Person. Alles ist mucksmäuschenstill. Einzig und allein das Quietschen meiner Schuhe ist zu hören. Als ich endlich an meinem Spind ankomme, bin ich schon wieder in Gedanken versunken. Mit einem lauten Ächzen und einem harten Schlag dagegen lässt sich dieser dann auch öffnen. Ich schnappe mir mein Englisch- und Mathebuch, einen Block und mein Federmäppchen. Als ich gerade die Spindtür schließen möchte, fängt urplötzlich das Flurlicht an zu flackern. Erst denke ich, dass ich mir das nur eingebildet habe. Aber dann passiert es noch einmal. Es ist schon ein wenig gruselig in einem menschenleeren Gang mit flackerndem Licht zu stehen. Doch was soll mir schon passieren, denke ich, schlage den Spind mit einem kräftigen Stoß gegen die Tür zu und stoße im nächsten Moment einen spitzen Schrei aus. Ich hatte nicht bemerkt wie jemand die Schule betreten hatte, geschweige denn durch den Flur gelaufen war und sich neben mich gestellt hatte! Das kann alles nur Einbildung sein. So tief war ich nun auch nicht in meine Gedanken versunken gewesen. Ich strecke meine Hand aus und stupse mit dem Zeigefinger gegen die Schulter des Typen, der vor mir steht. Erstaunt reiße ich meine Augen auf, als mein Finger auf etwas Festes trifft. Mit großen Augen sehe ich ihn an, und versinke regelrecht in diesen blauen Augen.
"Hi, ich bin Sam. Ich weiß nicht, ob du mich kennst. Wir haben ein paar Kurse zusammen..?"
Mir ist klar, dass er auf eine Antwort wartet. Jedenfalls deutet sein fragender Blick darauf hin. Und was mache ich ? Ich starre ihn mit aufgerissenen Augen an und bringe keinen Ton heraus. Und als wäre das noch nicht genug wird mir im selben Moment bewusst, dass ich meinen Finger immer noch in seine Schulter bohre. Er folgt meinem Blick auf seine Schulter und grinst mich dann frech an. Schnell ziehe ich meine Hand zurück und versuche mich darauf zu konzentrieren, was er mich gefragt hatte.
"Ich..ja! Also, du..Sam..ja, ich weiß.", bringe ich schließlich stotternd heraus. Er grinst mich nur an, ignoriert die Tatsache, dass ich mich benehme wie ein Kind, das seinem Staridol gegenüber steht, und drückt mir etwas hartes und spitzes in die Hand.
"Du hast bei deinem Sprint über den Parkplatz deinen Schlüssel verloren. Ich dachte den möchtest du vielleicht wiederhaben."
"Ähm..danke."
Nachdenklich schaue ich auf meinen Schlüssel.
"Ich denke du solltest langsam mal in den Unterricht, meinst du nicht ?"
"Was ? Oh..ja!"
Mit den Gedanken immer noch bei meinem Schlüssel gehe ich an Sam vorbei und in Richtung meines Klassenzimmers. Gerade als ich an die Tür klopfen möchte, wird diese mit Schwung geöffnet. Und mir gegenüber steht Caila.
Mit ausdruckslosem Blick sieht sie mich an. Ich bin nicht besonders groß, aber ich habe das Gefühl unter ihrem Blick Zentimeter um Zentimeter zu schrumpfen. Noch vor ein paar Wochen hatte sie mich immer mit vor Wut verzerrtem Gesicht angesehen, mich bei jeder sich bietenden Gelegenheit lächerlich gemacht, mir jeden Schultag zur Hölle gemacht. Jeden Tag hatte ich Angst davor gehabt ihren vor Wut funkelnden Augen zu begegnen, doch jetzt würde ich diesen Zorn liebend gerne wieder in ihren Augen sehen. Das Ausdruckslose in ihrem Blick ist viel unheimlicher, dazu diese vollkommene Ruhe, die von ihr ausstrahlt. Jedes Mal, wenn sie so vor mir steht, spannt sich mein ganzer Körper an und wartet nur auf den nächsten Schlag. Doch der ist bis jetzt immer ausgeblieben. 
Ich sehe sie an. Sie, die einmal meine beste Freundin gewesen war. Die immer zu mir gestanden hatte, mir vertraut hatte, egal was war. Doch dieses Vertrauen habe ich verspielt.
"Die Damen..?"
Ein Blick an Caila vorbei und ich sehe einen Kurs, inklusive Lehrer, der uns anstarrt. Ich quetsche mich an ihr vorbei, darauf bedacht sie nicht zu berühren, und husche an meinen Platz ganz hinten im Raum. Caila dagegen tritt auf den Gang und schließt die Tür mit einem leisen Klicken hinter sich. 
"Miss Kuss, schön, dass sie uns mit Ihrer Anwesenheit beehren!", dröhnt es auch sogleich vom Lehrertisch. 
"Was war denn diesmal ? Bus verpasst ? Verschlafen ? Unterwegs verlaufen ?"
Ich werfe Mr Mied einen vernichtenden Blick zu, murmle eine Entschuldigung von wegen verschlafen und lasse mich tief in meinen Stuhl sinken. Ja, das Schuljahr hat vor zwei Monaten angefangen und ja, ich hatte es bis jetzt auch geschafft in jeder einzelnen Mathestunde zu spät zu kommen aber deswegen musste er mich nicht so der Klasse vorführen! Aus jeder Ecke ist Getuschel zu hören, wobei manche sich weniger Mühe geben leise zu sprechen als andere. Noch schlechter gelaunt als ich sowieso schon war, ziehe ich meinen Block unter meinem Buch vor und fange an darauf herumzukritzeln. 
"Okay, Leute. Ich habe hier ein paar Aufgaben für euch, die ihr bitte in Partnerarbeit löst. Ich muss jetzt zum Rektor zu einer Besprechung. Wenn ich wieder da bin, habt ihr die Aufgaben gelöst!"
Bei dem Wort 'Partnerarbeit' hatte ich meinen Kopf mit so einem heftigen Ruck gehoben, dass es in meinem Nacken geknackt hatte. Ich hasse Partnerarbeit. Nicht umsonst hatte ich mich dieses Schuljahr allein an einen Tisch gesetzt, naja unter anderem deswegen.
"Tyson, gehen Sie bitte zu Dena, ja ?"
Na großartig! Natürlich musste mir der Unbeliebteste des Kurses zugeteilt werden! So langsam bekomme ich das Gefühl, dass selbst Mr Mied mich nicht ausstehen kann.
"Ähm..kannst du vielleicht deine Tasche..?"
Mit genervtem Blick schaue ich langsam zu ihm auf. Tyson gehört zu der Sorte Junge, die einen Kopf über alle anderen ragt. Mit seinen matschbraunen Augen und den kurzen dunklen Haaren sieht er aus wie so ziemlich jeder hier. Kein Wiedererkennungsmerkmal ist an ihm. Würde man ihm einmal auf der Straße begegnen, man würde ihn nicht im Gedächtnis behalten, sofern man ihn überhaupt erstmal wahrnehmen würde. Betont langsam nehme ich meine Tasche von meinem Nachbarsitz, nur um sie gleich darauf auf dem Tisch abzusetzen.
"Ähm..wie möchtest du denn die Aufgaben machen, wenn du gar keinen Platz zum Schreiben hast ?"
"Wer sagt denn, dass ich sie machen möchte ?", kontere ich leise, so leise, dass er es mit Sicherheit nicht einmal gehört hat. Ich rücke mit meinem Stuhl bis zum Tischende, um möglichst viel Raum zwischen Tyson und mich zu bringen, der gerade dabei ist sich umständlich hinzusetzen. Als er sich umdreht, um den Stuhl zurück zu ziehen, fegt er mit seiner Tasche, die er locker geschulter hatte, den Nachbartisch leer. Natürlich wird er auch gleich von den anderen wüst beschimpft und als Trottel abgestempelt. Um die anderen wieder zu beruhigen, bückt er sich, um die Sachen wieder aufzuheben. Dabei fällt jedoch der gesamte Inhalt seines Rucksacks auf den Boden, da er, wie immer eigentlich, vergessen hatte ihn zu schließen. Leise fluchend stopft er alles wieder zurück und pflanzt sich schließlich auf den Platz neben mir. Wie kann man nur so tollpatschig sein ? Er sieht zwar auf den ersten Blick eher wie jeder andere durchschnittliche Typ aus, aber das liegt vermutlich auch mit an seiner Kleiderwahl. Jeden Tag trägt er ausgebeuelte Jeans mit genauso weiten Pullis drüber. Aber da ich mit ihm auch im selben Sportkurs bin, weiß ich, dass er nicht gerade zu den Untrainierten hier gehört. Leicht schüttel ich meinen Kopf. Warum sitze ich hier und denke über Tysons Körper nach ? Bin ich jetzt schon so weit gesunken ?
"Fass mich nicht an!", zische ich Tyson mit zusammengebissenen Zähnen an. Er hat es mittlerweile geschafft seine Sachen auf den Tisch zu legen, ohne irgendein Chaos zu verursachen, und war gerade dabei gewesen seine Hand nach mir auszustrecken. Mit einem leicht entsetztem Blick sieht er mich an, zieht dann aber seine Hand zurück. Verlegen streicht er sich durch die Haare und fummelt an seinem Block herum.
"Ent..entschuldigung!", bringt er schließlich stotternd hervor, wobei er mir einen schnellen Seitenblick zuwirft.
"Also..wollen wir dann anfangen ?"



Kommentare

  1. Liebe Maja
    Ich bin gespannt auf die weiteren Kapitel!
    Ich erlaube mir eine kurze Rückmeldung: Ich würde die Absätze nicht machen oder anders setzen. Ich kam nicht immer mit, ob es jetzt zur nächsten Szene geht oder einfach ein neuer Absatz beginnt. Dena scheint mir ein interessanter Charakter zu sein, aber ich hätte diesen "Steckbrief" weggelassen. Man lernt den Charakter ja im Verlauf des Buches kennen.
    Wie gesagt das sind nur meine Anmerkung und überhaupt nicht böse gemeint! Ich versuche immer Tipps zu geben, da ich selbst manchmal Kurzgeschichten schreibe (bisher habe die nur meine ehemaligen Lehrer, Freunde und Familie gelesen :D)
    viele Grüsse
    Julia

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    1. Hey1 :)
      Also die Absätze habe ich nur gemacht, weil ich es selbst nicht mag, wenn ich zum Lesen so einen einzigen Batzen an Text vorgelegt bekomme. So ohne einen Absatz, wo man vielleicht mal kurz 'pausieren' kann oder so was in der Art..du verstehst hoffentlich, was ich meine :D

      Ja das mit dem 'Steckbrief' ist so 'ne Sache. Ich habe, natürlich, eine Grundidee im Kopf wie das Buch verlaufen soll. Allerdings weiß ich noch nicht genau wie (oder ob) das den Charakter von Dena verändern wird, daher hab ich das jetzt einfach mit aufgeschrieben.. Wenn es in einem späteren Zusammenhang oder bei was auch immer nicht passen sollte, kann ich es ja immer noch abändern.. :)

      But anyways..danke für deinen lieben Kommentar! :D (ich war gerade, keine Ahnung aus welchem Grund, immer kurz davor auf Englisch zu schreiben..!? :'D )

      Liebe Grüße!

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